02.08.2010 – Wir sind angekommen
Es liegt ein neuer Bericht unserer Wallfahrer Ulrich und Martin vor, den ich Ihnen hier gleich weitergebe:
Es ist nun zwei Tage her, dass wir zum Berg der Kreuze gegangen sind, aber wir fühlen uns erst jetzt in der Lage, über unsere Eindrücke zu schreiben:
Um der Wahrheit die Ehre zu geben, wir sind erst einmal mit dem Auto gefahren. Die letzten zwei Kilometer sind wir gelaufen, so wie der Evangelist Lukas es vorschreibt: „Nehmt nur einen Wanderstab mit und nur Sandalen an den Füßen, kein Geld und ein zweites Hemd”. Das ist uns bei der relativ kurzen Strecke sicherlich nicht schwer gefallen. Auch hatten wir keinen Wanderstab, dafür unsere Kreuze, die Pastor Amon in der Messe am 17. Juli gesegnet hat.
Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel.
Wir erblickten schon von Weitem die Silhouette der Kreuze auf dem Hügel. Vor allem die großen Kreuze schienen bis in den Himmel zu ragen. Beim Näherkommen sahen wir auf dem Vorplatz vor dem Hügel das große Kreuz, das anlässlich des Besuchs von Papst Johannes-Paul II dort aufgestellt wurde. Dahinter erhob sich der über und über mit Kreuzen bedeckte Hügel.
Doch damit nicht genug: an den Kreuzen hingen kleinere Kreuze, an denen teilweise Pilger noch kleinere Kreuze, Rosenkränze oder Marienbilder befestigt haben.

Wir gingen die Holztreppe hoch. Wohin unsere Augen auch blickten, wir sahen Kreuze in jeder Größe links und rechts des Weges. Vor lauter Kreuzen konnte man kein Stück Erde sehen.
Auf dem Gipfel des Hügels trafen wir auf die Stelle, wo Papst Johannes-Paul II niedergekniet hatte, um seine Gebete zu sprechen.
Viele neue Kreuze, die erst kürzlich bzw. in den letzten 1 – 2 Jahren aufgestellt worden sind, waren an den Wegesrändern zu sehen. Inmitten des Hügels standen Kreuze, die dort schon seit vielen Jahren verwittern.
Das Bild, welches sich bot, ließ quasi den täglichen Zuwachs an Kreuzen erkennen.
Die Grenzenlosigkeit von Gebeten, Bitten, Gedenken und Sprachen wurde durch die multinationalen Artefakte deutlich. Wir sahen Kreuze, angefangen von Litauen, Lettland, Estland, Russland, Polen, Deutschland, Niederlande, Frankreich, überall aus Europa, aus Amerika, aus Japan, Afrika, aus aller Welt.
Auf einigen Kreuzen haben Pilger Schilder angebracht, auf denen sie ihre Bitte aufgeschrieben haben.
Eine Gruppe niederländischer Pilger hat zwei große Kreuze aufgestellt, an deren Querbalken fein säuberlich nebeneinander gelbe Bänder mit den Bitten eines jeden einzelnen Pilgers der Gruppe aufgeschrieben sind.
Der Polizeichor Dresden hat im Rahmen einer Konzertreise auf dem Baltikum zum Dank für gutes Gelingen ein Kreuz aufgestellt.


Trotz aller Bemühungen reichen Worte nicht aus, will man beschreiben, was wir auf dem Berg der Kreuze gesehen haben und Bilder genügen nicht, es zu zeigen. Sie können nur eine Ahnung vermitteln, welch Ort voller Schicksale sich hier öffnet.
Es ist unmöglich, die Atmosphäre auf diesem Hügel zu vermitteln. Es gab nicht nur die Menschen, die dorthin pilgerten, es waren auch die Seelen unzähliger Menschen zu spüren, die uns an diesem Ort voller Geheimnisse, Bitten und Gebete umgaben. Wir spürten, dass dieser Ort uns Kraft geben konnte zur Gesundheit, zum Leben und zur Liebe.
Nachdem wir über den Berg gestiegen und auch ein großes Stück um ihn herum gegangen sind, haben wir uns unserem eigentlichen Plan gewidmet, auch unsere Kreuze dort abzulegen. Wir wollten einen ruhigen und geruhsamen Platz inmitten der Kreuze finden, friedvoll und nicht vom Pilgertourismus überrannt. Wir fanden die Stelle schließlich im Schatten von drei Nadelbäumen. Wir drückten das große Kreuz in den Boden. Den Kreuzanhänger und den Rosenkranz hängten wir über das Kreuz.

Himmlischer Vater,
gib den Menschen, deren Kreuze wir nach Litauen auf den Berg der Kreuze getragen haben,
Einkehr in Deine himmlische Herrlichkeit und Deinen himmlischen Frieden:
Adelheid Traue
Dennis Christoph
Peter Daut
Elisabeth Hinterberg und Fritz Hinterberg
Amen

UH