10.01.2009

"/Jesus sprach:/ Was nennt ihr mich Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage? "

Lukas 6,46

Der Osten lebt! Der Osten bebt!

Auf den Spuren unserer deutschen Kultur

Arnstadt

Ich besuchte zum ersten Mal meinen Freund Martin. Von der Stadt Arnstadt hatte ich noch nie gehört.

Es war Ende März diesen Jahres. Morgens früh um 5 fuhr ich auf der Autobahn 4 in Richtung Erfurter Kreuz. Links der Autobahn eine Burg und rechts davon 2 Burgen, alle angestrahlt und alle auf einen Blick: Die drei Gleichen. Diesen Anblick werde ich nicht vergessen!

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Bei den Burgen handelt es sich um ein mittelalterliches Burgenensemble: die ‚Mühlburg’ bei Mühlberg und die ‚Wanderslebener Burg’ (auch ‚Burg Gleichen’ genannt) bei Wandersleben, beide im Landkreis Gotha sowie die ‚Veste Wachsenburg’ bei Holzhausen im Ilm-Kreis. Die Burgen wurden zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert erbaut. Sie hatten aber nie dieselben Besitzer. Sie sind auch äußerlich ungleich. Der Begriff ‚Drei Gleichen’ entstand der Sage nach einem Kugelblitz-Einschlag am 31. Mai 1231, nachdem die Burgen wie drei gleiche Fackeln brannten.

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Die Mühlburg und die Burg Gleichen sind noch gut erhaltene Ruinen.

Die die restaurierte Wachsenburg liegt auf dem 421 m hohen Wassenberg (althochdeutsch für ‚Steiler Berg’) und hat daher ihren Namen.

Sie hat eine sehr bewegte Vergangenheit. Es gibt ganz viel zu berichten, Ich will aber nur auf den Bezug zu Köln und die Situation heute eingehen:

Im Lauf der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Staufern und Welfen wurde die Burg Ende des 12. Jahrhunderts in die Kämpfe hineingezogen und der welfisch gesinnte Erzbischof von Köln setzte sich dort fest.

1991 wurde das Land Thüringen Eigentümer der Veste. Es erfolgten umfangreiche Restaurierungsarbeiten. Seit 2001 befindet sich die Burg mit Hotel und Restaurant nach zehnjähriger Pachtzeit in Privatbesitz. Auf die Initiative der Besitzer geht auch die Wiedereröffnung des Neuen Burgmuseums zurück.

2003 erfolgte die feierliche Weihe der Burgkapelle ‚St. Georg’. Im selben Jahr machte der ‚Ordo militaris teutonicus e. V.’ die Wachsenburg zu seiner Heim-Ordensburg. Er ist nach eigener Darstellung ein „unabhängiger und weltlicher Militaris-Hospitaler-Ritterorden“ mit karitativen Aufgaben.

Ich habe die Burgen natürlich nicht an diesem Morgen besucht sondern im Laufe meiner späteren Besuche in Arnstadt.

Dieses kleine thüringische Städtchen versetzte mich in Staunen. Immerhin ist Arnstadt einer der drei ältesten urkundlich erwähnten Orte auf deutschem Boden außerhalb römischer Siedlungsgebiete. Er wurde erstmals im Jahre 704 erwähnt, erhielt das Stadtrecht aber erst am 21. April 1266 vom Abt der Abtei Hersfeld.

Heute ist die Stadt an der Gera eine aufstrebende Wirtschaftsmetropole. Die Gewerbegebiete Erfurter Kreuz, Arnstadt-Rudisleben und Ichtershausen-Thörey-Autobahn bilden das größte zusammenhängende Industriegebiet Thüringens in den Bereichen Solartechnik, Maschinenbau, Logistik, Chemie, Lebensmittel und Kunst.

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Der mittelalterliche Stadtkern ist trotzt Kriegsschäden heute noch in weiten Teilen erhalten bzw. restauriert. Ich staunte nicht schlecht, als ich plötzlich ein Denkmal des Komponisten Johann Sebastian Bach sah. Das unkonventionelle Denkmal des jungen Bachs auf dem Arnstädter Markt zeigt den Barockkomponisten als jungen lässigen Mann, der an einem Meilenstein lümmelt.

Ich ging dann ein Stück weiter, uns sah einen Wegweiser: ‚Bachkirche’ Meine Neugier war geweckt. Ich hatte niemals damit gerechnet, hier auf die Spur des berühmten Komponisten zu treffen.

Und auf noch einen berühmten Mann sollte ich hier in Arnstadt stossen, auf den ich immer wieder auf meinen Reisen durch die Ostdeutschen Lande treffen sollte: Martin Luther.

Was hat es mit diesen beiden Männern in Arnstadt auf sich?

Hier spielen die Liebfrauenkirche und die Bonifatiuskirche die tragenden Rollen.

Die Liebfrauenkirche, heute noch eine evangelische Pfarrkirche, wurde im Wesentlichen im 12. und 13. Jahrhundert errichtet. Nebenbei: Der Bau gilt neben dem Naumburger Dom in Sachsen-Anhalt als wichtigster Kirchenbau der Übergangsphase von der Romanik zur Gotik.

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Als Augustinermönch besucht Martin Luther etwa 1507, zu der Zeit noch fern von Reformations-Gedanken, die Franziskaner im Arnstädter Barfüsserkloster und predigt in der Liebfrauenkirche.

Die Reformation geht an den Kirchen Arnstadts nicht vorbei. 1531 stirbt der streng katholische Regent Graf Günther und sein Sohn Heinrich, ein Anhänger Luthers, kann jetzt damit beginnen, die Reformation auch in Arnstadt einzuführen. Ab 1533 sind alle Gottesdienste in Arnstadt nur noch evangelisch.

Der Reformator Martin Luther besucht nochmals Arnstadt auf der Durchreise nach Schmalkalden am 5.2.1537. Er predigt erneut in der Liebfrauenkirche zu seinem zentralen Thema der Gnade der Busse und Vergebung.

1538 müssen die Barfüßermönche infolge der Reformation ihr Kloster am 14.11. endgültig räumen.

Die Bonifatiuskirche am Marktplatz wird erstmalig 1333 erwähnt. Sie ist bei dem großen Stadtbrand 1581 bis auf die Außenmauern niedergebrannt. Ihr Wiederaufbau beginnt erst wieder 1676. Sie wurde wieder 1683 eingeweiht.

1699 beauftragte man den Mühlhäuser Orgelbauer Johann Friedrich Wender mit dem Bau einer neuen Orgel. Im Juli 1703 soll die Orgel der Neuen Kirche der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Vier Jahre hat Johann Friedrich Wender, einer der angesehensten Orgelbauer, gebraucht, um sie zu schaffen.

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Die Orgel wurde mit 21 klingenden Registern, drei Nebenregistern, zwei Manualen und Pedal fertig gestellt und musste von einem unabhängigen Experten geprüft werden. Dazu holte man den jungen Bach, der zu jener Zeit Violinist in Weimar war, nach Arnstadt. Bach prüfte die Orgel und er befand sie für gut. Seine Begabung hatte sich offenbar herumgesprochen. Sicher spielten auch einflussreiche verwandtschaftliche Beziehungen eine wichtige Rolle, denn Mitglieder der Familie Bach hatten schon seit geraumer Zeit wichtige musikalische Aufgaben in Arnstadt.

Welche Umstände damals auch immer eine Rolle spielten: der gerade mal 18-jährige Bach macht den besten Eindruck und bekommt sofort die Organistenstelle angeboten. Er hat viel Zeit für sich, nur dreimal wöchentlich nimmt ihn sein Amt in Anspruch. Eine wunderbare Gelegenheit hier den Grundstein zur Meisterschaft auf der Orgel zu legen und zu komponieren.

In seinem jugendlichen Ungestüm nutzt er die ihm gegebene Freiheit reichlich aus. Von einem für vier Wochen genehmigten Urlaub, der ihn 1705 nach Lübeck zu dem berühmten Orgelmeister Buxtehude führt, kehrt er erst nach vier Monaten zurück. Das Konsistorium ist verärgert. Man macht ihm Vorhaltungen wegen seiner extravaganten Choralbegleitung. Weiter wirft man ihm vor, er habe mit einer ‚fremden Jungfer’ ohne Erlaubnis in der Kirche musiziert. Das war kein kleines Vergehen, auch wenn die ‚fremde Jungfer’ höchstwahrscheinlich seine Cousine war, die er 1707 im nahe gelegenen Dornheim heiraten wird. Man nimmt die Anweisung des Apostels Paulus sehr ernst: „Das Weib schweige in der Gemeinde”.

Der Haupt-Zankapfel aber bleibt Bachs Weigerung mit dem mittelmäßigen Schülerchor des Gymnasiums Vokalmusik einzustudieren. Das junge Genie sieht keine Notwendigkeit damit seine Zeit zu vertun. Ein langweiliger Stubenhocker war er aber nicht. Als ihn eines Abends der 21-jährige Schüler Geyersbach mit Prügel bedroht, weiß er zu seiner Verteidigung durchaus den Degen zu benutzen. Wegen dieses Vorfalls vor das Konsistorium geladen, muss er allerdings zugeben, Geyersbach vorher wegen seines schauderhaften Spiels einen ‚Zippelfagottisten’ genannt zu haben.

Nach vier Jahren in Arnstadt ist die Lage für den eigenwilligen Bach schwierig geworden. Doch er hat Glück, dass in Mühlhausen eine Organistenstelle an der Divi-Blasii-Kirche freigeworden ist. Er wird zum Vorspielen eingeladen und begeistert so, dass er die Stelle erhält. Freudig gibt er am 29. Juni 1707 die Schlüssel der Arnstädter Orgel im Rathaus ab. Man ist froh, den ‚Rabauken’ los zu sein.

Es bleibt zu erwähnen, dass die Wender-Orgel nicht mehr den hier gezeigten originalen Spieltisch von 1703 hat. Aber bei Konzerten wird immer noch der Blasebalg im Dach der Kirche getreten.

Schließlich möchte ich noch auf zwei Dinge hinweisen:

Arnstadt ist auch bekannt als Puppenstadt. Hierzu gibt es die Ausstellung „Mon Plaisir“ im Schlossmuseum. (http://www.arnstadt.de/index.php?structureID=1780)

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Auf ein Kulinarium kann ich schließlich auch nicht verzichten: Die erste urkundliche Erwähnung der Thüringer Bratwurst stammt aus dem Jahr 1404 aus dem Arnstädter Jungfrauenkloster. Mehr ist darüber zu erfahren im 1. deutschen Bratwurstmuseum in Holzhausen. Eine ständige Ausstellung zu Geschichte, Tradition und kulturellem Stellenwert der Bratwurst im gesellschaftlichen Leben im Allgemeinen und der Thüringer Bratwurst im Besonderen wird in diesem Museum dargestellt. (http://www.bratwurstmuseum.net)

Hinweise zu den Bildern:

01. Sicht auf die drei Gleichen von Gotha kommend
02. Die Mühlburg bei Mühlberg
03. Die Wachsenburg – Innenhof
04. Die Wachsenburg – Hohenloheturm
05. Stadttor in Arnstadt
06. Das Bachdenkmal in Arnstadt
07. Die Liebfrauenkirche zu Arnstadt
08. Martin Luther
09. Die Bachkriche (Bonifatiuskirche), Front- und Seitenansicht
10. Die Wender-Orgel in der Bachkirche
11. Das Bratwurst-Monument in Holzhausen

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