Gedanken zum Advent
Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Natur richtet sich auf die Ruhepause des Winters ein und wir Menschen vermissen die Helligkeit, das Licht. Der November und seine Feste zu Ehren der Verstorbenen, die zunehmende Dunkelheit stimmen uns nachdenklich, ja oft traurig. Viele von uns haben ihren sogenannten „Winterblues“. Wir denken an unsere Angehörigen, die uns bereits vorausgegangen sind. Es ist schwer, unser Leben „danach“ einfach so weiterzuführen, weil wir sie vermissen.
Schaut man jedoch genau hin, sind die Zeichen für den Neuanfang überall schon gesetzt. Wir müssen sie nur sehen. An den Bäumen und Sträuchern sehen wir kahle Zweige, aber auch bereits die angedeuteten Knospen für ein neues Erwachen nach der Ruhepause. Der Dezember hat nur noch 21 kürzer werdende Tage, dann steigt die Lichtmenge schon wieder.
Mit Beginn der Adventszeit erhellt fantasievoller Lichterglanz die Wohnungen, Häuser, Gärten, Straßen, Städte und Weihnachtsmärkte. Er trägt uns durch die Tage bis Heiligabend, gibt uns das Gefühl von Wärme und Helligkeit.
Auch das Kirchenjahr ist zu Ende gegangen, am 21.11., dem Christkönigfest. Das neue Kirchenjahr beginnt am 28.11., dem 1. Advent, als Weihnachtsfestkreis. Advent heißt Ankunft (von lat. Adventus). Wir Menschen werden in den vier Wochen vor Weihnachten auf die Ankunft von Gottes Sohn vorbereitet. Wenn wir zurückdenken, als Kind schienen diese vier Wochen unendlich lange zu dauern. Durch die ganze Hektik, die uns bereitet wird, haben wir heute das Gefühl, dass die Zeit von uns wegläuft und wir versuchen, mit ihr Schritt zu halten. Sind wir aber nicht manchmal selber schuld an ’unserer’ Hektik?
Ich wünsche Ihnen allen, einmal innezuhalten, sich zu besinnen, was Weihnachten eigentlich wirklich ist: kein Konsumgipfel, sondern der Beginn von etwas Neuem. Mit der Ankunft des Herrn wird uns Menschen Hilfe angeboten, Hilfe für unser Leben. Wir müssen sie nur sehen und annehmen. Immer wieder bekommen wir die Chance für einen Neuanfang und damit die Chance, einmal über unseren Stand im Leben nachzudenken, uns neu zu ordnen. Wo stehen wir? Wo wollen wir noch bzw. wo wollen wir nicht mehr hin? Wer hat uns geholfen, wer geschadet? Wo haben wir ‚danke‘ gesagt, wo sollten wir es endlich tun? Was wünschen wir uns, was wir noch keinem Menschen gesagt haben, vielleicht auch, weil wir niemanden haben, mit dem wir darüber sprechen können oder wollen.
Seit vielen Jahren besteht ein Internetportal, welches unseren gesamten Erdball umspannt. Sie können dort eine Kerze anzünden und, falls Sie das möchten, einem lieben Menschen schicken. Sie können ihm damit sagen, dass Sie an ihn denken, dass Sie mit ihm hoffen, sich mit ihm freuen, ganz einfach, dass er Ihnen wichtig ist. Aber auch Ihre eigenen Ängste, Wünsche, Gedanken können Sie dort einfach mal weitergeben. Die Texte hinter den Kerzen kann jeder mitlesen. Sie sind aber anonym bzw. so ‚deutlich‘ wie Sie es selbst bestimmt haben.
Nehmen Sie sich einmal etwas Zeit, falls Ihnen ein derartiges virtuelles Hilfsmittel überhaupt zusagt, und schauen Sie sich die anderen weltweit angezündeten Kerzen an. Wenn Sie die dazugeörigen Texte lesen, wird Ihnen sicher vieles bekannt vorkommen: auch wenn wir verschiedene Sprachen sprechen, unsere Bitten, Sorgen, Ängste, Nöte und Freuden sind gleich oder zumindest sehr ähnlich.
http://www.gratefulness.org/candles/enter.cfm?l=eng
Die Paulusgemeinde wünscht Ihnen eine friedliche, freudige und vor allem gesunde Adventszeit.
CAH

