Kölsche Chressmett und Friedenslicht 2009
Da sind wir ja gerade noch mal so davongekommen und konnten wie geplant unsere kölsche Chressmett feiern, denn beinahe wäre Weihnachten in diesem Jahr ausgefallen: Bei der großen Versammlung aller Heiligen, wie jedes Jahr am 1. November, waren alle Kölner Heiligen von unserem Herrgott zu einer Sondersitzung am 1. Advent bestellt worden und, das war kein Treffen gewesen, wie man sich das vom 1. Advent normalerweise vorstellt! Bei Kölns Heiligen herrschte Chaos und Krisenstimmung, denn sie waren vom Herrgott zusammengestaucht worden, weil die Zustände in Köln so unerträglich geworden und aus dem Ruder gelaufen sind.
Nur noch Mord und Totschlag, Diebstahl, Lüge und Zwietracht, nur Neid und Missgunst, Aggression, Raub, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Feuer legen, alles kaputt machen und beschmieren, keinen Frieden halten, so habe er sich die Menschen im ‚Heiligen Köln’ nicht gedacht … unser Herrgott war tief enttäuscht und hatte daher beschlossen: »Meer losse Chressnaach dies Johr ens usfalle, Engele hann Himmelsarress, Öhs und Esele krijje Kreppeverbodd, de Künninge mösse de Reisepäss avjevve!«
Da saßen sie nun, Kölns Heilige, Gereon und seine Legionäre, Maternus, Severin, Kunibert, Heribert, Albert der Große, aber auch Adolph Kolping und Ursula mit ihren Jungfrauen, zusammengesackt wegen des Donnerwetters, was auf sie heruntergegangen war, und berieten sich. Nach vielem ‚Hin’ und ‚Her’ war ihnen aber klar: Weihnachten durfte nicht ausfallen! Es gab ja auch noch gerechte und ordentliche Menschen. Sie mussten etwas unternehmen!
Gesagt, getan … sie erbaten sich eine Frist von unserem Herrgott und begaben sich mitten in das Kölner Leben: Ursula und ihre Jungfrauen mischten sich unter die Kölner Frauen und Mädchen, Gereon und seine Freunde nahmen sich die Männer und jungen Burschen vor, die drei Bischöfe Maternus, Severin und Kunibert gingen in die Kirchen zu Gottes „Bodenpersonal” und Heribert hatte mit der „schäl Sick” mehr als genug zu tun. Alle Kölner bekamen es deutlich hinter die Ohren geschrieben (Anmerkung d. Red.: Die Redewendung geht auf einen alten Rechtsbrauch zurück: Im Mittelalter hatte man bei wichtigen Regelungen, wie beispielsweise der Festlegung von Grenzen, die Kinder der Verhandlungspartner dazu geholt, damit sie notfalls noch in der nächsten Generation als lebende Zeugen aussagen konnten. Und damit sie die Lage der Grenzpunkte auch nicht vergaßen, gab man ihnen an jedem Punkt ein paar Ohrfeigen, man “schrieb” ihnen also die Position der Grenzpunkte hinter die Ohren.), dass sie menschlicher und herzlicher miteinander umzugehen hätten, dass keiner für sich alleine lebt, dass alle miteinander und füreinander da sein müssen, dass keiner auf den anderen herabsieht, dass jeder sich so gut einbringt, wie er es kann, dass jeder das Recht hat, in Ruhe und Frieden zu leben, dass keiner dem anderen das Leben schwer machen oder etwas antun darf, weil jeder Mensch ein Geschenk Gottes ist.
Müde und abgearbeitet trafen die Heiligen am 4. Advent alle wieder im Himmel zusammen. Sie hatten eine Menge erlebt, Freude und Aufregung hinter sich und sie hatten sich in dem heutigen Köln kaum noch zurechtgefunden. Der Verkehr, die Politessen, die Blitzer, die Taschendiebe, besonders auf den Weihnachtsmärkten, die Rücksichtslosigkeit, die Hektik … aber, sie hatten auch viele Menschen getroffen, die ohne viel Aufhebens zu machen, Gutes tun, sich für andere einsetzen, täglich Kraft und Zeit opfern um dort zu helfen, wo Hilfe nötig ist. Und, sie hatten gesehen, dass überall festlich geschmückt war, die Tannenbäume bereit standen, dass seit Wochen Weihnachtslieder gespielt und gesungen wurden und dass das Friedenslicht aus der Geburtsgrotte Jesu in Betlehem im Kölner Dom angekommen und von dort weitergereicht worden war.
Sie traten daher vor unsern Herrgott, hielten Fürbitte für die Menschen, baten um Gottes Nachsicht und um die Erlaubnis für das Weihnachtsfest auf Erden. Vor so viel Einsatz und gutem Willen konnte sich unser Herrgott nicht verschließen und so hob er »de Himmelsarress für all Engele un et Krippeverbodd för de Öhs un Esele« auf, damit alle Menschen richtig Weihnachten feiern konnten.
Wir, die Paulusgemeinde, konnten nun unser Versprechen einhalten und die vorbereitete kölsche Chressmett feiern. Unser voll besetztes Gotteshaus und der erwartungsvolle Glanz in den Augen der Besucher zeigte uns, dass viele Menschen sehr enttäuscht gewesen wären, hätten wir nicht feiern dürfen.
Nach den einleitenden Wortvorträgen zwischen drei Lektoren und unserem Dekan Manfred Amon startete das Duo SakkoKolonia den liturgischen Ablauf mit dem Lied »Freud för de Ääd«.

Dekan Amon bat ein junges Gemeindemitglied – unseren Johannes Hamacher – dann, die Krippe auf den Stufen vor dem Altar sozusagen „auf Stand” zu bringen: Maria und Josef, die Könige, die Tiere, die Krippe wurden richtig aufgestellt und schließlich das neugeborene Jesuskind hineingelegt.
Nach dem gesungenen »Jloria« brachte Johannes die Laterne mit dem Friedenslicht aus Betlehem und stellte es zur Krippe. Mit dem Feuer aus der Laterne wurde nun die Friedenslichtkerze am Altar entzündet, auch die Beleuchtung des geschmückten Baumes am Altar wurde jetzt eingeschaltet.
Nach dem Lukas-Evangelium und der Weihnachtspredigt wurde die Christmette mit Gebeten und Liedern weitergeführt. Zum üblichen Friedensgruß wurde erst nach der Kommunion eingeladen. Denn Dekan Amon entzündete eine Kerze am Friedenslicht und reichte das Licht an die Gläubigen in der Kirche weiter.

Jeder Teilnehmer des Gottesdienstes hatte zu diesem Zweck eine Kerze neben seinen Sitz gelegt bekommen, die er nun ebenfalls entzünden konnte. So wanderte das Licht von einem zum anderen und verband am Ende alle Anwesenden mit dem Friedensgruß zu einem gemeinsamen Licht, in friedlicher Gemeinschaft, im Sinne der frohen Botschaft: „Friede sei mit euch”.

Das von uns sehr geschätzte Duo SakkoKolonia unterstrich die Feierlichkeit der Messe immer wieder durch ihre Darbietungen wie das »Weejeleed« und »O do klein Dörpje Betlehem« sowie nach dem Schlusssegen mit dem Spritual »Jangk, saach et alle Minsche« (auf der Originalmelodie von „Go, tell it on the mountain”). Jetzt gab es kein Halten mehr: Jeder wurde zum Mitsingen, Klatschen und Taktgeben mitgerissen.
Mit im wahrsten Sinne erleuchteten Gesichtern und zahlreichen positiven Kommentaren ging die Christmette zu Ende. Wir freuen uns, dass wir viele bekannte, aber auch bisher unbekannte Besucher willkommen heißen durften.
In dieser feierlichen Stimmung wurde reichlich Gebrauch gemacht von den am Ausgang bereitgestellten Kerzen für den Transport des Friedenslichtes nach Hause.
Wir danken an dieser Stelle ganz besonders unserem Dekan Manfred Amon für die Bewältigung dieses immensen Arbeitsumfanges. Ohne ihn wäre eine derartige Messe nicht durchführbar. Mit viel Liebe zum Detail hat er so gut wie alle Texte „übersetzt” und angepasst sowie den gesamten Ablauf festgeschrieben und gesteuert. Unterstützend hat Dr. Ulrich Hinterberg das musikalisch „Drumherum” inkl. speziellem Liederheft geschaffen. Auch ihm ein herzliches „Dankeschön”.
So, wie wir das bereits vom letzten Jahr her kennen, be- und verzauberte uns das Duo SakkoKolonia wieder einmal und trug zum besonderen Gelingen bei. Unser Dank geht an Dr. Bettina Wagner und Theo Krumbach mit den allerbesten Wünschen für 2010.
Danke auch dem kleinen Johannes für seine tatkräftige Unterstützung bei der Krippenaufstellung und als Bote des Friedenslichtes.
Wir wollen jedoch nicht vergessen, auch den Lektoren Birgitt Euting, Bodo Kiefer und Christine Abel-Himmel für ihren Einsatz zu danken. Schließlich haben sie uns das ganze Dilemma um das beinahe gestrichene Weihnachtsfest und den Aufruhr in Himmelskreisen zu Beginn der Messe geschildert .
Und last but not least ein Dank an alle Besucher, die mit uns diese kölsche Chressmett gefeiert haben.

Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Weihnacht und ein gutes 2010.
©CAH Fotos: ©boki und ©UH